Barrows - Das weiße Blut

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Der Start von etwas Neuem

Es war spät nachts und ungewöhnlicherweise schneite es in Sunville. Man könnte fast denken, dass Schnee doch gewöhnlich sei für einen Dezem-bertag. Nicht aber in Sunville. Seit Jahren gab es keinen Schnee mehr in dieser sonnig warmen Vorstadt im Westen der USA. Wohlmöglich lag der letzte Schnee bereits Jahrhunderte zurück, als die Straßen hier noch wie eine Wüste wirkten, leer und verlassen und ausgeschlossen von jegli-cher Zivilisation. Die Kinder spielten und tollten, als kannten sie es nicht anders. An den Fenstern des Sun-Hospitals, dem städtischen Kranken-haus wurden die Schneekristalle immer deutlicher. Schneeflocken fielen dicht an dicht auf den schneebedeckten Boden. Doch dieser ereignisrei-che Tag sollte noch lange nicht zu Ende gehen.

Das Krankenhaus schien der wohl merkwürdigste Ort für ein Date oder gar zur Versöhnung. Cindy und George zog es auch nicht aus diesem Grund dorthin. Vielmehr sollte diese Nacht ein neues Kapitel in der klei-nen Familie sein. Cindy war schwanger. Sie sollte Zwillinge bekommen. Die Zeiger der Uhr neigten sich zur zwölf hin. Knapp dreißig Minuten bis zum Tageswechsel blieben der künftigen Mutter, als die Wehen ein-traten. George wirkte unbeholfen, hielt Cindys Hand und versuchte ein-fach Mitgefühl und Unterstützung zu vermitteln. Der Erfolg lies zu Wünschen übrig, aber Cindy wusste, dass George sein Bestes versuchte. Liebe und aufmunternde Worte erreichten Cindy im Sekundentakt.
Dreiundzwanzig Uhr und achtundfünfzig, vierter Dezember zweitausend, so dokumentierte die Schwester während eine andere das erste Mädchen routinemäßig untersuchte und pflegte. Die Schwester, die gerade eben noch alles notiert hatte, eilte zurück in den Kreissaal, denn die Zwillings-schwester zeigte bereits ihr Köpfchen. Mittlerweile zeigt die Uhr drei Minuten nach null Uhr an. Es war der fünfte Dezember zweitausend.
Im Gegensatz zur älteren Schwester blieb Caroline eher ruhig, was die Krankenschwestern schon arg wunderte. Die Geburt war sowieso das größte Ereignis dieses kleinen Krankenhauses, war es doch seit fünfzig Jahren die erste Zwillingsgeburt.
Als Cindy zum ersten Mal ihre zwei Töchter in den Armen hielt, war sie stolz, solch wunderbaren Geschöpfen das Leben geschenkt zu haben. Auch George freute sich und konnte seine Rührung kaum zurückhalten. Er setzte sich auf die Bettkante, schloss seine Mädchen in die Arme, gab Jarnette einen Kuss, Cindy und anschließend Caroline.

Cindy war vierunddreißig und studierte Rechtswissenschaften in Berlin, in der Stadt wo sie ihre gesamte Kindheit und Jugendzeit verbracht hatte. Sie war erfolgreiche Volljuristin. Nach dem die gebürtige Deutsche im Februar zweitausend umzog, zu George nach Sunville, war sie auch in-ternational sehr angesehen. George selber war damals in Deutschland auf Marketingtour, er hatte ein neues Computerprogramm entwickelt, dass fortan auch auf dem deutschen Markt verkauft werden sollte. Durch ei-nen dummen Zufall trafen sich Cindy und George auf eben dieser Tour. Von Anfangsschwierigkeiten nicht die Spur. Liebe auf dem ersten Blick. Nach einigen Rendezvous’ hier und da, wurde aus der heimlichen Zunei-gung, beiderseits Liebe. Fünf Jahre waren sie zusammen, als sie sich end-lich das Ja-Wort gaben. Und schon im selbigen Jahr, fünf Monate nach der Hochzeit erblickten die Zwillinge, Jarnette und Caroline das Licht der Welt.
Doch die Beziehung stand nicht unter einem guten Stern. Zwei-tausendfünf ließen sich beide scheiden, endgültig. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schwestern gerade vier Jahre alt. Einen fünften Hochzeitstag erlebte keiner der Eltern zusammen.

Caroline und Jarnette wuchsen lange Zeit in Harmonie auf. Dabei wichen Cindy und ihre Mum nicht von der Seite. Cindy verweilte mit ihrer Mum in Sunville.
George hingegen entschloss sich nach Berlin zu ziehen. Aufgrund seiner wechselnden Tätigkeiten wechselte der Wohnort ständig zwischen Deutschland und den Niederlanden. Lange konnte er danach nicht mehr an einem Ort, in der gleichen Wohnung bleiben. In seinem Frust über den Minusgang der Verkaufszahlen seines Programms und der darauf folgenden Arbeitslosigkeit versank er mehr und mehr im Alkoholsumpf. Danach hatte er nicht mehr das Bedürfnis umzuziehen.

14.4.09 23:15

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